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Roza Yemane stellt sich vor

Fragen wir unsere Mitarbeiter nach ihrer Vergangenheit, so hören wir mal amüsante, mal spannende Lebensgeschichten. Im Fall von Roza Yemane, unserer Housekeeping-Dame, gleicht die Geschichte eher einer Odyssee – Happy End inklusive. Nun, nach einem Jahr bei uns im Söl’ring Hof, erzählt Roza uns von ihrer langen Reise: wie sie von Eritrea nach Deutschland kam und verrät, was sie an der Insel am meisten mag und welches Rezept sie am liebsten kocht.

Kein sicherer Hafen – Rozas Weg nach Deutschland

Roza wächst in Eritrea im Nordosten Afrikas auf. Das Land am Roten Meer ist seit 1993 unabhängig und liegt zwischen Äthiopien und dem Sudan. Unter Staatsoberhaupt Afewerki, der mit der Unabhängigkeit die Macht an sich riss, wurde ein Staat errichtet, der nach Einschätzung vieler westlicher Medien massiv gegen Gegner der Regierung vorgeht. In Eritrea werden viele tausende Gefangene willkürlich und unter unsäglichen Umständen ohne Anklage inhaftiert. Darunter regierungskritische Personen, Journalisten/-innen und Angehörige von religiösen Minderheiten, die von der Regierung nicht anerkannt werden. Auch ein Militärdienst, der oft über Jahre ausgedehnt wird, ist obligatorisch. 

 

Es überrascht also nicht, dass Roza vor über sechs Jahren und auf Wunsch der Mutter Eritrea Richtung Sudan verlässt. Hier lernt sie zwar ihren Mann Abdul kennen, findet allerdings kein sicheres Zuhause. In den Jahren ab 2012, aber auch schon davor, wird der Sudan von mehreren schweren Konflikten erschüttert, das Paar macht sich deswegen auf nach Libyen, ein Land das vielen Menschen als Sprungbrett in ein besseres Leben in Europa dient. Doch auch hier gibt es weder ein sicheres Leben, noch eine Perspektive. Abdul wird schon bald nach der Ankunft verhaftet und inhaftiert. 

Über das Mittelmeer nach Europa

Roza steigt in ein Flüchtlingsboot und erreicht nach über einem Monat europäische Gewässer, bevor ein italienisches Rettungsboot die Geflüchteten nach Italien bringt. 

Von dort aus kommt sie nach Deutschland. Die ersten Monate in Deutschland verbringt sie in Flensburg, dann geht es weiter nach Sylt. Und endlich: Roza kommt an. Manchen von Ihnen, liebe Gäste, wird schon das freundliche Gesicht in den Fluren aufgefallen sein. Roza liebt den Spaß mit den Kollegen – bei der Arbeit strahlt sie einfach IMMER!!! Respekt und Wertschätzung erfahren, angstfrei leben: Roza ist glücklich auf Sylt. In ihrer Freizeit geht sie gern am Strand spazieren oder trifft sich mit einer Freundin, die ebenfalls aus Eritrea kommt. Wir freuen uns nicht nur, dass Roza eine zweite Heimat gefunden zu haben scheint, sondern auch jeden Tag über das ansteckende Lachen und ihre positive und liebevolle Art. 

 

Roza kocht am liebsten Inijera, ein Gericht aus Hühnchen, Zwiebeln und Tomaten. Dazu gibt es Mais, Rotkohl und landestypisches Brot. Sie liebt es übrigens auch, nachmittags eine Kaffeezeremonie nach Art ihres Heimatlandes zu machen.

 

Und Abdul? Er hat das Gefängnis nach drei Jahren verlassen, kam auf weiten Wegen auch nach Deutschland und konnte sie über Facebook ausfindig machen. Er wohnt derzeit in Stuttgart, aber die beiden möchten bald wieder zusammen leben. 

Roza Yemane stellt sich vor – ihr Lieblingsgericht