LOUNGE MAGAZIN

Bärbel Ring zu Gast bei dem Sommelier Summit 2017

baerbel ring-weinfass

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Seit fünf Jahren veranstaltet der Meininger Verlag den Sommelier Summit, eine Symposiumsdiskussion mit Winzern und Sommeliers aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Themen sind stets interessant, brisant und informativ. Es findet ein reger Austausch zwischen allen Teilnehmern statt! Es gibt keine ähnliche Plattform, die uns Sommeliers alle an einen Tisch holt und den ganzen Tag die volle Aufmerksamkeit fordert.

Dieses Mal mit dem Zug unterwegs, traf ich die ersten „Somms“ erfreulicherweise schon beim Umsteigen in Mannheim. Wie es sich zu einem solchen Spontantreffen gehört, haben wir erst einmal eine kleine Blindverkostung gemacht. Es gab „Berg Roseneck Riesling von Breuer – Rheingau aus dem Jahr 2002. Ein toller Wein, der viel Spaß macht, typische Rheingausäure gepaart mit weißem Pfirsich aufweist, jedoch nicht so opulent wie der „Berg Schlossberg“ ist. Kurzum: Genau das richtige für die Zugfahrt.

Weingut Odinstal

Weinberg

Abends war ich mit Andreas Schumann vom Weingut Odinstal in Wachenheim verabredet.  Die Weine haben wir seit ein paar Jahren auf der Karte und sie sind wirklich nicht mehr wegzudenken. Das Weingut verfügt über ca. 5 ha, wobei die Lage Wachenheimer Odinstal nicht auf dem Etikett auftaucht, da das Weingut schon so heißt. Die Weine sind nach den geographischen Gegebenheiten betitelt. Basalt, Muschelkalk, Buntsandstein. Die einfache Linie nennt sich 350 NN. Andreas baut Riesling, Weißburgunder, Auxerrois und Silvaner an – das ganze Weingut ist biodynamisch bewirtschaftet, was er sehr genau nimmt. Die Mittel für den Weinberg produziert er fast ausschließlich selber aus Kräutern etc, die um den Weinberg herum wachsen. Vor dem Keller sind zwei Tonamphoren in die Erde eingebuddelt: in der einen baut er Riesling, in der anderen Sylvaner aus, allerdings komplett natural – ohne Schwefel. Die Weine sind sehr straff, und haben großes Reifepotential, dieses Mal haben wir aus jedem Jahr in dem Andreas selber schon im Weingut ist, einen Wein getrunken, also aus den Jahren von 2004 bis 2016.

Spätlesen zu früher Stunde

Zurück im Hotel treffen sich alle Teilnehmer noch einmal in der Hotelbar, fast überflüssig zu erwähnen, dass dieses Treffen immer dazu führt, dass am nächsten Morgen vor der ersten Diskussion alle Kollegen etwas durchhängen. Das erste Thema um 10:30 uhr war “Spätlese”. Ein sehr gutes Thema, denn wer hat schon Spätlese auf der Uhr? Man trinkt entweder Kabinett oder, etwas süßer, die Auslese – aber Spätlese? Ich habe in letzter Zeit einige gute Exemplare getrunken: 2004er „Himmelreich Spätlese“ von Prüm und 2004er „Scharzhofberg Spätlese“ von Egon Müller. Spätlese bis dato also sozusagen als „Solitär“, doch aktiv zum Menü im Restaurant? Da arbeite ich zum Dessert lieber mit Auslesen und begleitend zu Sylter Royal Austern gerne mit Kabinett. Aber es ist schon gut, uns Sommeliers die Spätlese wieder näher zu bringen.

Besonders gut fand ich den 2015er „Saarburger Rausch Grosse Lage“ von Zilliken, in der Nase feine Zitrusnoten und nasser Stein, im Mund sehr elegant, feingliedrig, mineralisch, vibrierend, gutes Süße-Säure-Spiel, die Zitrusnoten bleiben im Nachhall. Dazu könnte man hervorragend unser Morsumer Apfeldessert essen, mit Heidehonig und Roggen.

2004er „Sonnenuhr“ Spätlese von J.J.Prüm – als Pendant zum „Himmelreich“ welchen ich vor ein paar Wochen getrunken habe. In der Nase ist deutlich der Kellerapfel zu riechen, so typisch der Wein im Mund sehr ausgewogen mit seinen 60g Restzucker ist, im Vergleich zum „Himmelreich“ ist die „Sonnenuhr“ immer etwas kräftiger und süßer. Trotzdem ist der Wein sehr saftig, so, als ob man in einen saftigen, knackigen Janagold-Apfel beißen würde und der Saft fast aus den Mundwinkeln läuft.

Zwei ältere Highlights bei der Probe waren:

Weinetikettweinetikett j-b-becker1992er „Wülfen Riesling Spätlese“ von HJ Becker aus dem Rheingau und 1986er „Maximin Grünhäuser Abtsberg Spätlese“ von Carl von Schubert – Ruwer. Der „Wülfen“ wirkte mit seinen 33g Restzucker sehr trocken, in der Nase hatte er kandierte Früchte, fast wie Karamell oder Toffee. Die Weine von HJ Becker brauchen einfach Zeit – man darf sie nicht zu jung trinken, da sie so ein riesiges Lagerpotential haben und sich über die Zeit als Langstreckenläufer entpuppen. Der „Abtsberg“ genauso. In der Nase war er apfelig, krautig, Estragon-ähnlich, fast schon ätherisch, im Mund wirkte er dezent süß und sehr ausgewogen.

Geschmischter Satz aus Wien

Das nächste interessante Thema war der Wiener Gemischter Satz. Gemischten Satz gibt es schon seit es Weinbau gibt und bezeichnet einen Weingarten, in dem viele verschiedene Sorten wachsen, die zeitgleich geerntet und gekeltert werden. Da die Rebsorten unterschiedliche Stärken und Schwächen haben  – einige sind anfälliger für Fäulnis, andere sind gegen Nässe resistenter – konnten die Bauern in schlechten Jahren einem Ernteausfall entgegenwirken und es war eine Art Versicherung, dass sie Wein verkaufen konnten. Also kann man gar nicht sagen, daß die Wiener den gemischten Satz erfunden haben, denn er ist traditionell sehr weit verbreitet. Ein „Wiener Gemischter Satz DAC“ darf nur diesen Titel tragen, wenn er mindestens aus drei Rebsorten besteht und keine Trübstoffe enthält.

Weinberge-stadtpanorama

Am Nachmittag wird es fruchtig

Ein anderes, sehr interessantes Thema kam später am Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch: Obstwein. Damit beschäftige ich mich nicht wirklich intensiv, doch ich habe schon einige sehr gute getrunken, z.B. den „Porié Granit“ von Eric Bordelet, den ich immer auf der Karte habe und sogar auch Zuhause im Kühlschrank.

Wir starteten mit einem Rhabarberschaumwein aus Estland, der sehr trocken war, mit einer intensiven Säure und feinem CO2.

Besonders gut hat mir auch ein Cider aus Lettland geschmeckt von Abols Apinos „Hoppes Apple Cider“: sehr klar in den Aromen, eine fast rosige Note, lebendige Säure.

Ebenfalls eingeprägt hat sich 2015er „Dimona Cidre“ von Johanna Cecillon aus der Bretagne – etwas breiter im Mund, gutes Süsse-Säure Spiel.

weinetikette frederiksdalVon den Schaumweinen mal abgesehen, beeindruckte mich der 2013er „Nielstupmark Kirsebaer“ von Frederiksdal auf der dänisches Insel Lolland. Die Kirschsorte heißt Stevnsbeer – Birgitte und ist eine Sauerkirschart, der Wein ist spontan vergoren und hat keine Schönung hinter sich. Die Lage oder Plantage heißt Nielstupmark. Die Bäume werden wie bei einer Olivenernte geschüttelt, die Kirschen aufgefangen und verarbeitet: sie liegen 2-4 Tage auf der Maische um Farbe und Extrakt aus den Schalen zu ziehen. Der Wein ist sehr dicht mit komplexen Kirschnoten und einer gut ausgewogenen Säure für den breiten Körper, die den Wein leichter wirken lässt und nicht plump.

Ein letzter Vertreter war der 2014er „Malis Danica Apple“ von der Cold Hand Winery, ebenfalls aus Dänemark. Erinnert fast an eine BA oder TBA, wäre zu einer Tarte Tartin perfekt – aber ich kann mir auch sehr gut andere Desserts dazu vorstellen.

Bereit für etwas Neues

Das letzte Thema, welches mich sehr interessiert hat, war Griechenland, denn davon habe ich keine Ahnung – und ehrlich gesagt, auch jetzt nicht.

Es gab viele Weißweine und ein paar Rotweine, von deren Rebsorten ich noch nie gehört habe. Die Weißweine waren alle sehr duftig und hatten eine knackige Säure, es gab sogar einen Retsina. Gewöhnungbedürfrig! Die Rotweine waren z.T. relativ hell in der Farbe aber dazu kräftig im Geschmack.

Diese Griechenlandgeschichte ist so ein eigenes Thema, mit dem man sich sehr intensiv auseinandersetzen muss. Allein die Aussprache der Rebsorten ist für meinen deutschen Gaumen nicht einfach. Aber es hat mich neugierig gemacht!

3 Kommentare

  1. Das ist ja sehr schön, inspirierend und fortbildend zu lesen Frau Ring.
    Gerade zurück vom gestrigen (etwas zu umtriebigen) Opening der RheingauGourmetWoche in Kloster Eberbach, wo man viele heimische Rieslinge probieren konnte.
    Den Griechen “Assyrtiko” trinken wir übrigens immer wieder gerne – allerdings meist vor Ort, da die Mengen wohl nicht für den Export ausreichen.
    Wir freuen uns auf die nächste persönliche Beratung vor Ort, Brigitte Lacher und Michael Rossbach.

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